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Brief der Bezirksamtsleiterin zur Corona-Krise

  • »weiß zwar nicht, wie Nudeln mit Klopapier schmecken«...
Die Bezirksamtsleiterin Dr. Stefanie von Berg Die Bezirksamtsleiterin Dr. Stefanie von Berg Foto: Markus Krohn

Elbvororte/Altona (17. März 2020, Markus Krohn) · Es ist keine einfache Zeit, auch nicht in den sonst so idyllisch gelegenen Elbvororten. Viele Heimkehrer aus Skigebieten sitzen in häuslicher Quarantäne, können sich vielleicht gerade mal im Garten aufhalten. Ähnlich geht es der Bezirksamtsleiterin Dr. Stefanie von Berg, die es sich aber nicht nehmen ließ, den Bürgerinnen und Bürgern in ihrem Bezirk folgende Botschaft zukommen zu lassen:

Lieber Herr Krohn, liebe Leserinnen und Leser der DorfStadtZeitung,

es sind wirklich ungewöhnliche Zeiten, in denen wir uns gegenwärtig befinden. Ich komme gerade aus dem Urlaub zurück. Am ersten Tag meiner Urlaubswoche habe ich mich noch über Sonne und Schnee und Zeit mit meiner Familie und Freund*innen gefreut – und nur wenige Tage später, noch am Urlaubsort, hielt die Welt den Atem an, alles war auf einmal anders. All unser gewohntes Leben, ob Arbeit oder Freizeit, hat sich innerhalb kürzester Zeit grundlegend verändert. Die gerade erlassene Allgemeinverfügung des Senates hat uns alle in unserem Leben erheblich eingeschränkt. Das Corona-Virus wirkt sich dabei in mehrfacher Hinsicht durchaus bedrohlich aus: Für die einen ist die Krankheit schlicht lebensbedrohlich, daher geht es jetzt darum, so wenig Kontakt wie möglich untereinander zu haben. Die Maßnahmen finde ich gut und richtig. Denn wir alle sind jetzt in der Verantwortung, uns rücksichtsvoll gegenüber unseren Mitmenschen zu verhalten. Wir haben es in der Hand, die rasante Ausbreitung dieses neuen Virus zu verlangsamen und die, die besonders gefährdet sind, zu schützen. Für die anderen wirkt sich die Corona-Krise wirtschaftlich bedrohlich aus, denn viele Aufträge und Geschäfte können nicht mehr getätigt werden. Das betrifft nicht nur größere Unternehmen wie Lufthansa, sondern vor allem auch Selbständige und insbesondere Kulturschaffende. Das wird unsere Gesellschaft noch lange beschäftigen.

Ich versuche trotz der durchaus vorliegenden krisenhaften Lage das Beste aus der Situation zu machen und schaue mir das halb volle Glas an: Ich beobachte mit Freude, wie viel Rücksicht die Menschen aufeinander nehmen, wie sich jüngere Menschen um ältere Menschen kümmern, indem sie für sie einkaufen, ihnen Bücher vor die Tür legen, ihnen Zettel durch die Briefkästen stecken. Es zeigt sich, dass die Menschen füreinander einstehen, wenn es notwendig ist, dass sie, ein fast angestaubt wirkender Begriff, miteinander solidarisch sind. Ich beobachte zudem interessiert, wie sich die Kommunikation ändert: Ich z. B. kehre einerseits zu „Old School“ zurück, indem ich meinem hochbetagten, schwerhörigen Vater, der in einem Pflegeheim lebt, nun jeden Tag eine Postkarte schreibe. Andererseits war ich noch nie so häufig in Video- und Telefonkonferenzen wie in den letzten Tagen. Die „digitale Transformation in der Verwaltung“ – die nimmt nun auf einmal ganz viel Fahrt auf.

Und zu all den leer gekauften Regalen denke ich mir: Endlich kochen die Leute mal wieder! Ich weiß zwar nicht, wie Nudeln mit Klopapier schmecken, aber das wird mir sicherlich noch berichtet werden… Scherz beiseite: Ich bin mir sicher, dass die Versorgungslage im Ganzen aufrechterhalten bleibt, auch wenn hier und da mal etwas nicht da ist. Vielleicht tut es uns allen in unserer Überflussgesellschaft auch mal gut, so etwas wie Verknappung zu erleben?

Was ich noch sagen möchte: Ich danke all denjenigen, die den ganzen Betrieb in unserer Stadt aufrechterhalten. Ich danke also denjenigen, die sich nicht nach Hause begeben können, um von dort zu arbeiten. Ich danke dem medizinischen und pflegenden Personal, der Polizei, der Feuerwehr, den Menschen im Einzelhandel (insbesondere im Lebensmittelhandel!!!), in den Ämtern und Behörden, in den Kitas bei der Notbetreuung, in den Zügen, Bussen, Bahnen und Taxen… Ohne sie wäre das Leben in diesen Tagen viel schwieriger! Danke!!!!

Diese besondere Zeit wird noch ein wenig andauern – wie lange, wissen wir nicht. Aber ich bin mir sicher, dass wir das als Gesellschaft nicht nur durchhalten, sondern dass es uns stärker machen wird. Also: Bleiben Sie gesund und gelassen!

Herzliche Grüße,
Ihre Stefanie von Berg

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