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Armes Groß Flottbek?

Durch Stadtteildiakon Stefan März gibt es in Groß Flottbek einen Ansprechpartner auch für einsame Menschen.
Durch Stadtteildiakon Stefan März gibt es in Groß Flottbek einen Ansprechpartner auch für einsame Menschen. Foto: kieferpix/Fotolia.de
Groß Flottbek (25.02.2016, Markus Krohn) · Stefan März ist Stadtteildiakon. Seit April 2012 baut er seine diakonischen Brücken innerhalb des Stadtteils, für viele ältere und jüngere Menschen, die allein auf sich gestellt sind, ist er erster Ansprechpartner bei Alltagsproblemen. Die Finanzierung seiner Stelle kann durch die großzügige Unterstützung der Hildegard und Horst Röder Stiftung bis März 2017 gewährleistet werden. Die Kirchengemeinde Bugenhagen-Groß Flottbek möchte das Projekt gerne fortsetzen und kann die Stelle mit eigenen Mitteln finanzieren – allerdings erst ab 2020. Daher bat die Gemeinde die Bezirksversammlung Altona um finanzielle Unterstützung in Form einer Übergangs-Zuwendung für vier Jahre. Der Antrag wurde allerdings bereits vom Amt als fachlich unbegründet zurück gewiesen. Der Haushalts- und Vergabeausschuss empfiehlt der Bezirksversammlung einstimmig bei zwei Enthaltungen der CDU-Fraktion, den Antrag der Gemeinde abzulehnen.
Man kann es sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass in einem Stadtteil wie Groß Flottbek oder Othmarschen Menschen leben, die sich nicht einmal mehr eine Wohnung leisten können. Oder dermaßen vereinsamt sind, dass sie in einer gesundheitlichen Notlage völlig allein auf sich gestellt sind.  Und dennoch leben dort ungefähr 200 Menschen, auf die dies zutrifft (Stadtteilprofile des Statistischen Amtes Nord, Dezember 2012). Meist sind diese Menschen unsichtbar, da sie sich aufgrund ihrer Lage zurück ziehen. Dass sich ihre Lage darüber noch verschlimmert, liegt auf der Hand. Manchmal fehlt auch einfach nur ein Angehöriger, der nach einem Krankenhausaufenthalt die Reha organisiert oder notwendige Medikamente besorgt. Sehr häufig sind es einfach nur Gardinen, die zwar abgenommen und gewaschen aber von den Senioren nicht mehr allein aufgehängt werden können. Es gibt jedoch Menschen, die sich dieses Problems annehmen. Unter fachlicher hauptamtlicher Anleitung werden diese Ehrenamtlichen optimal vernetzt und geschult.

Allein 30 bis 35 Vorlesepaten betreut Stefan März, die in umliegenden Grundschulen Schülerinnen und Schülern vorlesen und somit Konzentration, Leseverständnis und Rechtschreibung vermitteln. Das ist eines der zentralen Projekte der generationsübergreifenden Stadtteilarbeit des Diakons nördlich der Osdorfer Landstraße.

Ich arbeite als sozial-diakonischer Mitarbeiter auf dem Bugenhagen-Campus, auf dem sich unter anderem das Altenheim „Bugenhagenhaus“, „Wohnungen mit Service“ für gesundheitlich weitestgehend noch selbständige Senioren, die Kita Bugenhagen, die Bugenhagenschule und die Jugendkirche des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein befinden. Meine Aufgabe ist es, Begegnungsmöglichkeiten zwischen Menschen unterschiedlichen Alters durch gemeinsame Aktivitäten zu initiieren, Menschen in verschiedenen Lebenssituationen zu beraten und den Kontakt zu unterstützenden Institutionen herzustellen, sowie Menschen, die an einem ehrenamtlichen Engagement interessiert sind, zu fördern und zu begleiten. Außerdem zählt zu meinen Tätigkeiten, Personen, die unverschuldet in Not geraten sind, durch Gelder einer Stiftung (Röder-Stiftung) zu unterstützen" erklärt März.

Diese Arbeit kann er unmöglich allein schaffen, daher wird er von einer großen Zahl Ehrenamtlicher und jungen Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr unterstützt. „Die offizielle Stelle mit Büro ist als Anlaufstelle enorm wichtig“ macht er klar. Auch die vielen Treffpunkte und Projekte wie das „Campus Café“, das Männerfrühstück oder die „Rockenden Senioren“ sowie das Generationsübergreifende Singen sind Kommunikations- und Hilfsbörsen zugleich. Dieses riesige Angebot ginge verloren, sollte das Projekt wegen fehlender Mittel eingestellt werden.

Vertreter der Bezirksversammlung haben festgestellt, dass „diese Form der diakonischen Arbeit grundsätzlich eine Kernaufgabe von Kirchengemeinden“ ist. Weiter heißt es in der Beschlussempfehlung für die Bezirksversammlung am 25. Februar: „Eine Finanzierung durch Politikmittel ist zwar grundsätzlich möglich, aus fachlicher Sicht ist dann allerdings eine Förderung einer Kirchengemeinde in einem sozialen Brennpunkt wünschenswerter. In einem Stadtteil wie Groß Flottbek sollte davon ausgegangen werden, dass andere Formen der Finanzierung gefunden werden können.

Für die Kirchengemeinde hieße dies, nach einer neuen Finanzierungsmöglichkeit zu suchen. Vielleicht gibt es eine weitere Stiftung, die das Vorhaben unterstützt oder private Spender, die zumindest einen Teil der Finanzierung übernehmen würden. Die Gemeindevertreter halten sich derzeit noch bedeckt, aber Ideen gebe es schon, ist aus dem Umfeld des Kirchengemeinderates zu hören. Wer sich an der Lösung des Finanzierungsproblems beteiligen möchte, kann sich gern ans Gemeindebüro wenden:

Ev. luth. Kirchengemeinde Bugenhagen-Groß Flottbek
Bei der Flottbeker Kirche 2
Tel. 040 / 82 88 19
www.kirche-in-flottbek.de

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