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Offener Brief an die Marktplatzinitiative

Blankenese (11. September 2017, PM) · Wolf-Dieter Hauenschild, Blankeneser Rechtsanwalt und ehemaliger Kampagnen-Gefährte von Monika Lühmann, die jetzt als Vertrauensperson das Bürgerbegehren gegen die Umgestaltung des Blankeneser Marktplatzes kämpft, schreibt: Liebe Monika, Ich schreibe diesen offenen Brief an Dich als Vertrauensperson für das neue Bürgerbegehren der IG Marktplatz. Du hast Dich in mehreren Fällen in vorbildlicher Weise für die Interessen Blankeneses eingesetzt und bist zu einer Art demokratischer Ikone geworden. Bei dieser neuen Initiative bist Du aber nach meiner festen Überzeugung auf dem falschen Dampfer. Hier wird ein demokratisches Instrument mißbraucht zum Schaden für unser Dorf.

Mindestens seit den 90ger Jahren des vorigen Jahrhunderts diskutieren wir darüber, wie das Gelände zwischen der Bahnhofstraße, der Propst-Paulsenstrasse und dem Mühlenberger Weg mit dem Kirchenvorplatz zu einer echten Ortsmitte für Blankenese umgestaltet werden kann, die zugleich auch ein Bindeglied wird zwischen der Bebauung am Bahnhofsplatz und dem südlichen Teil der Bahnhofstraße mit dem Treppenviertel. Anlässlich der 700-Jahre-Feier haben wir einen studentischen Wettbewerb hierfür durchgeführt. 41 Studenten haben Vorschläge eingereicht. Bekannte blankeneser Architekten, der Leiter der Stadtplanung und andere im Ort bekannte Personen haben sich als Preisrichter beteiligt Und das Ergebnis dem Bezirk zugeleitet. Einige Jahre später wurde der Vorschlag, unter dem Platz eine Tiefgarage zu errichten, in einer öffentlichen Versammlung in der Luft zerrissen. Seit 2008 beschäftigt sich das Zukunftsforum mit dem Thema. Endlich wurden Haushaltsmittel für diesen Zweck bewilligt. 2012 fand eine große öffentliche Versammlung in der Gorch-Fock-Schule statt, in der bis auf wenige Einzelstimmen alle der Meinung waren, dass eine solche Ortsmitte geschaffen werden sollte. Es wurde ein Arbeitskreis gegründet, an dem außer der Politik und dem Amt 12 blankeneser Institutionen sich beteiligt haben. 5 öffentliche Werkstattgespräche wurden geführt und das Ergebnis 2015 öffentlich vorgestellt. Von etwa 250 Teilnehmern haben nur 3 gegen den Vorschlag gestimmt. Danach wurde weiter geplant, sind  die Ergebnisse veröffentlicht worden, z.B. im September 2016. Ein erster Bauabschnitt, der die Kreuzung und die Propst-Paulsenstrasse umfasst, wurde beschlossen und soll am 25. dieses Monats begonnen werden.

Eure Initiative wird dazu führen, dass dies verhindert und für mindestens 6 Monate ausgesetzt wird. Solltet Ihr bis dahin die 6000 Unterschriften gesammelt haben, ist das Ende der Ausbremsung unabsehbar, nicht nur in zeitlicher Hinsicht, sondern auch hinsichtlich der Frage, ob die Sache dann überhaupt noch politisch gewollt ist.

Was steht auf dem Spiel? Der Kirchenvorplatz, die Dreieckswiese mit dem Denkmal, der Marktplatz und der Bereich vor dem Martiniblock sollen einheitlich gestaltet werden. Das ist die Meinung derjenigen, die sich an dem Planungprozess beteiligt haben. Dies ist eine gewollte Veränderung der gegenwärtigen Situation. Denn anders, als Du meinst, hat der jetzige Marktplatz gar keine Seele, die man ihm rauben könnte. Wie es nach dem ersten Bauabschnitt weiter geht, ist noch nicht entschieden. Auch Eure Initiative ist eingeladen, sich an den weiteren Planungen und Entscheidungen zu beteiligen.

Liebe Monika, wir haben es hier nicht wie bei unserem Kampf um den Süllberg mit einem Baulöwen zu tun, der Profit auf Kosten unseres Dorfes machen will, sondern um einen demokratischen Prozess. Da muss man sich beteiligen, sich einbringen, äußern, notfalls Kompromisse schließen oder sich selbst auch einmal zurücknehmen. Es ist falsch, wenn gesagt wird, die Bürger seien nicht ausreichend informiert worden. Vieles wurde öffentlich gezeigt und diskutiert. Wer mehr wissen wollte, konnte sich an die Abgeordneten oder die Vertreter der 12 blankeneser Institutionen wenden, die an der Planung beteiligt waren. Hier hat man als Bürger gewissermaßen eine Holschuld.    

Alles oder nichts ist bei einem Sachverhalt wie dem vorliegenden zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein guter demokratischer Stil. Ich appelliere an Dich und Deine Mitstreiter: Zieht Euren Antrag zurück und beteiligt Euch an der Planung der weiteren Bauabschnitte.

Trotz allem -- in alter Verbundenheit und mit große Hoffnung, dass diese Zeilen etwas bewirken können,

Dein alter Kampfgefährte Wolf-Dieter Hauenschild

Zum Aufruf des Arbeitskreises Ortskern Blankenese
Zur Antwort von Monika Lühmann
Zum zweiten offenen Brief von Wolf-Dieter Hauenschild
Zur Antwort auf die Antwort von Monika Lühmann

Letzte Änderung amWednesday, 20 September 2017 17:51

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